Das
Forschungsprojekt Nehren |
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MODELLHAFTE SANIERUNG UND RESTAURIERUNG DER UMWELTGESCHÄDIGTEN
RÖMISCHEN GRABANLAGE IN NEHREN / MOSEL
Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die Konservierung eines den
Umwelteinflüssen ausgesetzten denkmalgeschützten Ensembles. Es handelt sich um
eine römische Grabanlage aus dem 3. -4. Jh. n. Chr..
Einzigartig ist die komplette Erhaltung sowohl des antiken Raumes als auch der
originalen Ausmalung. Neben der Untersuchung und Dokumentation der römischen
Verputze und Ausmalungen und der Konservierung und Restaurierung des stark
geschädigten wertvollen, historischen Bestandes gilt es, praktikable Konzepte
für die Langzeiterhaltung der weitgehend offenen, der Bewitterung indirekt
ausgesetzten Grabanlage zu erarbeiten.
Ein Schwerpunkt liegt deshalb in der Erstellung und Erprobung von Konzepten für
die präventive Konservierung, wobei Maßnahmen zur Klimaregulierung bzw.
Klimakontrolle im Vordergrund stehen. Über eine Laufzeit von 3 Jahren wird das
Konservierungsprojekt finanziert durch die Deutsche Bundesstifung Umwelt (DBU)
und durch das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz.
Das Forschungsprojekt leitet Frau Prof. Dr. Elisabeth Jägers, Fachhochschule
Köln, die Betreuung vor Ort hat Dipl. Restauratorin Nicole Riedl übernommen.
Zur Lösung der vielfältigen Fragestellungen hat sich ein interdisziplinäres
Expertenteam, bestehend aus Chemikern (Prof. Dr. Elisabeth Jägers, Dr. Erhard
Jägers), Geologen (Dr.MichaelAuras, Dr. Thomas Dreher),Archäologen (Dr.
Hans-Helmut Wegner), Kunsthistorikern (Dr. Joachim Glatz) und Restauratoren
(Adrian Heritage, Nicole Riedl) zusammengeschlossen.
Die StudentInnen der Fachhochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und
Konservierungswissenschaft nehmen an demForschungsprojekt teil.
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Lage
& Beschreibung  |
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Die römische Grabanlage liegt in den Weinbergen oberhalb der Ortschaft Nehren im
Landkreis Cochem-Zell an der Mosel. Sie besteht aus zwei gleich großen,
zweigeschossigen Grabbauten, die in den Hang gebaut sind.
Der Oberbau der Grabkammern, gestaltet in der Formvon Grabtempeln, wurde zum
Schutz der sich unter der Vorhalle befindlichen Grablege 1974 rekonstruiert.
Ansicht des Grabtempels I mit Drainageschachtung komplett erhaltenen antiken
Raum.
Die Grabkammer I besteht aus einem 3 x 4 m großen der mit einem Tonnengewölbe
überspannt und von der Talseite her betretbar ist. Während die östliche
Grabkammer II nicht mehr geschlossen inkakt ist, handelt es sich bei der
westlichen Grabkammer I um einen auch in seiner originalen Ausmalung komplett
erhaltenen antiken Raum.
Die Grabkammer I besteht aus einem 3 x 4 m großen der mit einem Tonnengewölbe
überspannt und von der Talseite her betretbar ist.
Das Fundament der Grabkammer I wurde unmittelbar gegen den anstehenden Fels
gemauert. Das aufgehende Mauerwerk ist aus lagig gesetzen Bruchsteinen
errichtet. Verwendet wurde örtlich anstehende Grauwacke.
Das parallel zur Hanglage eingezogene Tonnengewölbe besteht aus Ziegeln.
Interessanterweise konnte entgegen der bisherigen Meinung festgestellt werden,
dass in der Grabkammer I nicht ein Estrichfußboden eingegossen, sondern ein
mindestens zweifarbiger Steinplattenboden aus grünem Diabas und grauem Marmor
verlegt war.
Der römische Setzmörtel und der mindestens in zwei Lagen aufgetragene Putzmörtel
zeichnet sich durch bunte Gesteinszuschläge mit Größtkörnern bis zu 20 mm aus
und ist mit Dolomitkalk gebunden.
Die Oberfläche des Putzmörtels ist eben abgezogen und verdichtet. Darüber liegt
eine weiße Kalktünche aus Dolomitkalk mit starkem Pinselduktus. Auf diese wurde
die polychrome Malerei aufgetragen.
Die Farbpalette derMalerei umfaßt gelben und roten Ocker, der für rosafarbene
Pigmentschichten mit Kalk ausgemischt wurde, ferner grüne Erde und Rebschwarz.
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Die Ausmalung |
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Die Ausmalung der Grabkammer unterstreicht die Aufteilung des Raumes in
aufgehendes Mauerwerk und Gewölbe. Beide Zonen werden durch ein breites rotes
Band horizontal voneinander getrennt.
Auf dem weißen Grundton des Aufgehenden ist ein Gitterwerk aus hochrechteckigen
Segmenten aufgemalt, die im unteren Teil diagonal verkreuzt sind. Im oberen
Teil werden sie von roten Schmuckbinden verziert.
Die Gewölbemalerei der beiden gleich aufgebauten Stirnseiten gliedert sich in
drei Felder, die mit roten Schleifen und gelben und roten Bändern umrahmt sind.
Die Gewölbemalerei erinnert an eine Kassettendeckenmalerei.
Im Zentrum des Gewölbes sitzt eine achteckige rote Kassette, die zu allen vier
Gewölbeseiten hin mit einer halbierten achteckigen Kassette über rote Bänder
verbunden ist. Die entstehenden Zwischenräume sind mit grünem Blattwerk
geschmückt, in welches große dunkle Früchte eingemalt sind.
Die vier Ecken der Gewölbemalerei sind mit dreieckigen Zwickeln betont, die
durch große florale Muster geschmückt sind. Die drei Nischen der Grabkammer
verzieren rote Blumen und grünes Blattwerk.
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Abfolge der vier Grabkammerwände Stand Frühjahr 2003; Nord-West-, Nord-Ost-, Süd-Ost und Süd-West-Wand
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Problemstellung |
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Die vielfältigen Fragestellungen, die das Projekt aufwirft, konzentrierten sich
zunächst auf die Analyse des herrschenden Klimas und auf die Bekämpfung der
unkontrolliert eindringenden Feuchtigkeit.
Bereits im August 2000 wurde mit ersten Klimamessungen in der Grabkammer
begonnen. Seit 2002 werden restauratorische und naturwissenschaftliche
Untersuchungen durchgeführt.
Für eine detaillierte Dokumentation wurde zunächst ein massstabsgerechter und
entzerrter Plan von der gesamten Grabkammer erstellt, der seither als
Kartierungsgrundlage dient.
Der Zustand der Grabkammer I mußte aufgrund seiner Feuchtebelastung als
bedenklich eingestuft werden. Neben zahlreichen Schadensbildern fallen vor
allem die Salzbelastung und biogenen Ablagerungen als erhebliche
Schadenspotentiale auf.
Die Salze haben sich sowohl als feste Krusten, als auch in Form pulvriger und
pusteliger Ausblühungen auf der Oberfläche der Malerei und des Putzes
angelagert. Zum einen liegt eine dicke, grauweiße Kalksinterkruste auf weiten
Teilen des Gewölbes.
Diese harte Schicht ist im Laufe der Jahrhunderte alsAblagerungsprodukt aus
Lösevorgängen des Dolomitkalkmörtels entstanden. Zum anderen ist besonders an
der Nord- West-Wand eine Blumenkohlkruste und eine weiße Sinterkuste
entstanden, die nicht aus Calcit besteht, sondern hauptsächlich aus Gips. Diese
Krusten konnten nur deshalb entstehen, weil von der Nord-West-Wand flüssige
Feuchte durch das Mauerwerk in die Grabkammer dringt und damit enorme
Wassermengen für die Bildung dieser Krusten zur Verfügung stehen.
Dieser Schadensmechanismus hat sich vermutlich erst nach der Rekonstruktion der
Grabanlage negativ auf die Wandmalereien ausgewirkt. Die pulvrigen
Salzausblühungen bestehen zum größten Teil aus Gips, geringe Mengen an Nitrat-,
Chlorid-, Magnesium-, Natrium- und Kaliumionen konnten ebenfalls nachgewiesen
werden. Deshalb muss man davon ausgehen, dass in der Grabkammer verschiedene
Mischsalze vorliegen, deren Gleichgewichtsfeuchte schwer zu fassen ist. Die
Salzbelastung der römischen Putze liegt bei bis zu 14 Ma%, wobei ein
Höhenprofil ergab, dass die höchste Belastung in 1 m Höhe auftritt und bis in 2
m wieder allmählich geringer wird.
Im Tiefenprofil zeigt sich die höchste Salzkonzentration im ersten Zentimeter
des römischen Putzes, sie nimmt allmählich ab und in sechs Zentimeter Tiefe ist
kein Salzgehalt mehr nachweisbar.
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Neben der Salzbelastung treten in der Grabkammer I biogene Ablagerungen auf. Es
handelt sich um kugelige Strukturen aus Kieselalgen (Navicula und Orthoseira)
und Pilzfilamenten. Luftige Strukturen des Belages bestehen aus lockeren
Algenverbänden und fädigen Bakterien (Aktinomyzeten).
Die biogenenAblagerungen sind nicht vollflächig, sondern konzentrieren sich an
definierten Bereichen in der Grabkammer. Vermutlich handelt es sich um die
dauerfeuchtesten Bereiche, so dass die biologischenAblagerungen als
Feuchteindikator gedeutet werden können.
Mit Hilfe von UV- und IR-Licht, sowie digitalen Falschfarbenaufnahmen sind die
Besiedelungen dokumentiert worden.
Zum anderen wirkt sich das Aussenklima direkt auf das Innenklima der Grabkammer
aus. Die starken Klimaschwankungen im Aussenbereich werden nur vernachlässigend
gering gepuffert und setzen die römischen Malereien einem permanenten Stress
durch hygrisches und thermisches Dehnen und Schrumpfen aus.
Zudem erfolgen mehrfach Taupunkttemperaturüberschreitungen über
dieOberflächentemperatur derGrabkammer und es kommt zu Kondenswasserbildung vor
allem an dem Gewölbe der Nord-Ost-Wand, im Sockelbereich der Nord-Ost-Wand und
in der Ostecke der Grabkammer. Die Wandmalereien zerfallen aufgrund von
chemisch-physikalischen und biogenen Einwirkungen.
Der permanente Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswechsel, flüssige Feuchte und
Licht wirken vonAußen auf dieMalereien ein, von Innen wirken sich
dieMaterialfeuchte,Materialspannung, die Lösungen im Porenraum, vor allem die
Salzlösungen und Makro- und Mikroorganismen auf das komplexe Materialgfüge des
Kulturgutes aus. Die historischen Bau- und Malmaterialien sind aus einem
Potpourri von unterschiedlichen Stoffen zusammengesetzt, die alle einzeln auf
diese Einflußgrößen reagieren, aber auch in ihrer Gesamtheit als
Materialgefüge.
Der Zerfallsprozeß vollzieht sich in jedem einzelnen Material und an den
Materialgrenzen. Die Einzelschäden können sich nur deshalb in großem Maße
ausformen und fortschreiten, weil die Feuchtequellen durch die
Umweltbedingungen kontinuierlich bestehen und die Schadensprozesse in Gang
halten. Die Klimamessungen erbrachten zwei wesentliche Erkenntnisse.
Der Feuchteeintrag in die Grabkammer I erfolgt auf parallelen Wegen. Zum einen
wird flüssige Feuchte durch die Nord-West- Wand in die Grabkammer geleitet. Sie
kann mit Düngemitteln angereichert sein, dringt an definierten Stellen aus und
rinnt in Bächen herab.Außerdem kann der Niederschlag direkt am Mauerwerk
versickern und entlang des Fundamentes in die Grabkammer gelangen.
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Nach der differenzierten Analyse der historischen Materialien und der
verschiedenen Schadensphänomene im bestehenden Raumklima wurde im Sommer 2003
mit der Konservierung der Malereien begonnen.
Als erste Massnahme wurde eine Drainage entlag der Nord-Ost- und der Nord-
West-Wand der Grabkammer I eingebaut, um den permanenten Wassereintrag zu
unterbinden. Darauf aufbauend wurde mit der mechanischen Entfernung der
biogenen Ablagerungen begonnen und erste Vorfestigungen an Putz und Malschicht
durchgeführt.
Bereits im Herbst 2003 zeigte sich innerhalb niederschlagsreicher Tage die
positiveAuswirkung der eingebauten Feuchtesperre. Die Luftfeuchtigkeit
innerhalb der Grabkammer liegt zwar weiterhin zwischen 75 und 90 %,
eindringende Wässer blieben jedoch aus. Auf dieser Grundlage wurden erste
Entsalzungszyklen an der Nord-West- und der Süd-West-Wand durchgeführt.
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Finanzierung |
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Das Konservierungsprojekt wird finanziert durch die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (DBU) und durch das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz.
Geleitet wird das Forschungsprojekt durch Frau Prof. Dr. Elisabeth Jägers von
der Fachhochschule Köln. Zur Lösung der vielfältigen Probleme und
Fragestellungen hat sich ein interdisziplinäres Expertenteam, bestehend aus
Chemikern (Prof. Dr. Elisabeth Jägers, Dr. Erhard Jägers), Geologen (Dr.
Michael Auras, Dr. Thomas Dreher), Archäologen (Dr. Hans-Helmut Wegner, Dr.
Jost), Kunsthistorikern (Dr. Joachim Glatz) und Restauratoren (Adrian Heritage,
Nicole Riedl) zusammengeschlossen.
Die StudentInnen der Fachhochschule Köln Fachbereich Kulturwissenschaften nehmen
an dem Forschungsprojekt teil. Die Verwaltung des Projektes liegt in der Hand
der Kreisverwaltung Cochem. Angeregt wurde das Projekt von Herrn Dr. Horst Fehr
und Herrn Reinhold Elenz.
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